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5.2. – 11.4.2021
Eröffnung: 4.2.2021

Gitte Villesen

It changed radically: grew fur again, lost it, developed scales, lost them

Wir freuen uns sehr, die Arbeiten der Künstlerin Gitte Villesen (*1965, Ansager, DK) in ihrer bislang umfangreichsten Ausstellung und einem Vermittlungsprojekt zu zeigen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Villesens aktuelle Arbeiten und stellt zwei neu für den Kunstverein produzierte Filmprojekte vor. In ihren aktuellen Videoarbeiten und Installationen setzt die Künstlerin ihre 30-jährige Praxis des Erzählens und Wiedererzählens als Formen der mannigfaltigen Montage von Archivischem, Inszeniertem, Gesuchtem und Begegnetem in Bezug zur feministischen Science-Fiction-Literatur. Die Arbeiten können für sich alleine stehen, bilden aber zugleich durch eine assemblierende Verbindungsfähigkeit unter- und miteinander weitere Erzählstränge. Diese Möglichkeit wird als Faden für einen Science-Fiction-Workshop und eine Materialsichtung aufgenommen, die neben Führungen und einem Künstlerinnengespräch das Projekt vertiefen. Eine Besonderheit ist der Gastbeitrag mit Arbeiten von Beverly Buchanan, deren künstlerische Praxis Villesen seit einiger Zeit begleitet.

Seit 1995 ist Gitte Villesens künstlerische Praxis durch Formen des Erzählens und Wiedererzählens gekennzeichnet. Bis 2016 entwickelte sie ihren filmischen Zugang als sorgfältige Begegnungen mit Protagonist*innen, die nicht nur im bewegten Videobild präsent sind, sondern auch als wichtige Dialogpartner*innen nachvollziehbar werden. In den aktuellen Arbeiten wird diese spezifische Form des Erzählens durch inszenierte und vorgefundene Motive aus Science-Fiction-Romanen sowie ins Bild gesetzte alltägliche Materialien und Artefakte erweitert. Ein erzählerischer Faden der Ausstellung in Karlsruhe beginnt mit Deeply immersed in the content of a learning stone (2016/17). Diese Arbeit entstand in einem Projekt über Pubertät und geht der Transformation von körperlichen Zuständen nach. There is an Affinity (2020) beschreibt in einer fokussierenden Bildsprache Beziehungen zu pflanzlichen Wesen und deren Darstellungen, wie Villesen sie in den Dioramen des Botanischen Museums in Berlin und den Zeichnungen des Botanikers R. H. Francé nachspüren konnte. Eine ähnliche Affinität zu pflanzlichen Wesen zeigt sich auch in einer für die Ausstellung neu produzierten Arbeit, in der die Künstlerin unter anderem mit der auch sprichwörtlich bekannten Mimose Empfindlichkeit und Fragilität körperlicher Verfasstheit untersucht. 

Science-Fiction-Erzählungen, insbesondere von Autorinnen wie Ursula K. Le Guin und Octavia E. Butler, waren seit den Anfängen ihrer künstlerischen Praxis wichtige Quellen für Gitte Villesen. Miterzählend einbezogen hat sie diese Geschichten aber erst vor einigen Jahren. Aus dieser Verschiebung entstand auch die Lecture-Performance, in der sich Villesen, Emma Haugh und die Wissenschaftssoziologin Tahani Nadim über Auszüge aus Sci-Fi-Romanen miteinander ins Gespräch setzen. Für Villesen sind Erzählungen eine Möglichkeit des gemeinsamen Austauschs, in denen sich das Faktische und Fabulierte, das Gedachte und Imaginierte als Facetten einer Wirklichkeit erweisen.

Die Ausstellung wird gefördert von der Danish Arts Foundation.

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