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3.10.-1.12.2019
Eröffnung: Mittwoch, 2. Oktober 2019, 19 Uhr

Ausstellung

Heinz Frank

Selbst flüssig, klammert sich an überflüssig

Der Badische Kunstverein widmet Heinz Frank, einer der eigenwilligsten Persönlichkeiten der Wiener Kunstwelt der letzten Dekaden, die bislang umfangreichste Einzelausstellung, die einen Querschnitt durch die bildnerischen und sprachlichen Denkfiguren Franks von den Anfängen in den frühen 1960er Jahren bis heute zeigt. Der 1939 geborene Künstler arbeitete zunächst als Elektrotechniker und studierte anschließend Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Die Ausstellung ist Schauplatz eines von Bildern, Skulpturen, Objekten, Möbeln, Masken, Teppichen und Steinen sowie Fundstücken aufgeführten Schauspiels, dessen Hauptdarsteller zum Beispiel „das Nichts, die Unendlichkeit des Lochs, des Kreises, der seinem Mittelpunkt ewige Treue schwört“, sind.

Für die Wiener Szene ist Heinz Frank der Großmeister des Sprach- und Formspiels, mit dem er – eigenwillig dandyesk gekleidet – auf seinen Passagen durch die Lokale der Stadt eine radikale Subjektivität gegen die Konventionen der Gegenwart ausspielt. Der Titel der Ausstellung Selbst flüssig, klammert sich an überflüssig ist der Text einer gleichnamigen Skulptur aus 1984, einer fragilen, in die Höhe ragenden mehrteiligen Konstruktion. Die Sprachspiele sind ein wesentlicher Teil dieses Oeuvres. Frank notiert Gedanken in Mikropoemen, Aphorismen, Haikus gleich auf „irgendwelchen Papierln“, mit Bleistift, „denn Bleistift kann man ausradieren, dann können die Texte bei Bedarf auch wieder zurückkommen“. Diese Texte sind der Beginn und das Ende eines jeden Werkes, eines Denkprozesses und die Sichtbarmachung desselben als Objekt.

So beschreiben Franks Werke gleichsam ihren Zustand und den eigentlichen Grund ihrer physischen Existenz. In die Formen, die aus den Worten entstehen, schreiben sich immer wieder auch Abdrücke und Eindrücke von Heinz Franks Körper ein, wie zum Beispiel in die den Titel gebende Skulptur dieser Ausstellung, die den Gaumenabdruck des Künstlers auf ornamentale Weise zum Vorschein bringt. Heinz Frank schreibt seinen Körper und jenen der Werke aus Empfindungen heraus, weil er diese in einer abgelegten Sache zufällig schon vorfindet – was Frank locker-hartnäckig ausprobiert, bis er es irgendwie aus(gedacht) hat und in der Folge als Werk losgeworden ist. „Aber Franks Denken ist kein Prozess; es ist ein sisyphosartiges Löchern. Bei ihm ist Reflexion der Versuch, hinter seinen Kopf zu kommen, auch wenn der Brei dort nicht aufhört. In der Hilflosigkeit der Sprache, worin gleichwohl alles untergebracht werden soll: Ungeformtes – umformen – in Formloses.“ (Hermann Czech).

Heinz Frank ist die große Hintergrundfigur der Wiener Kunstwelt der letzten Dekaden. Jeder kennt ihn und hat von ihm gelernt. Was? Das, womit er sich am besten auskennt und mit dem er, alles in allem, am wenigsten auskommt: nämlich sich selbst.

Kurator*innen: Hedwig Saxenhuber, Georg Schöllhammer und Anja Casser

 

Heinz Frank  (*1939 in Wien) studierte nach einer Lehre als Elektrotechniker von 1965 bis 1969 bei E.A. Plischke Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1986 erhielt er den Preis der Stadt Wien für Bildhauerei. Seine Werke sind in österreichischen Sammlungen vertreten, u.a. im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, im Museum für angewandte Kunst Wien, in der Österreichischen Galerie Belvedere und im Rupertinum Salzburg. Seit den 1960er Jahren, hat Frank an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen. Einzelausstellungen u. a.: Kunsthalle Wien Karlsplatz; Bureau des Réalités, Brüssel; O&O Depot (Haus-Rucker- Co), Berlin; Galerie Rüdiger Schöttle, München; Charim Galerie, Wien; Landesmuseum Joanneum, Graz; Künstlerhaus Klagenfurt; Galerie Hummel, Wien; Museum für angewandte Kunst, Wien. Ausstellungsbeteiligungen u. a.: Landesgalerie Linz; Museum der Moderne, Salzburg; Kiew-Biennale; Kunsthalle Wien Museumsquartier; Österreichische Galerie Belvedere, Wien; Art International Istanbul; Württembergischer Kunstverein, Stuttgart; Secession, Wien; Kunsthaus Zürich; Galerie im Traklhaus, Salzburg; Museum der Moderne, Salzburg.

 

 

RAHMENPROGRAMM

 

Dienstag, 1.10.2019

18 Uhr 
Preview: Künstlergespräch
mit Heinz Frank  


Mittwoch, 23.10.2019

18 Uhr
Kuratorinnen-Führung
mit Anja Casser

19 Uhr
Vortrag: Der Eigen-Epigone
von Georg Schöllhammer

 

Führungen

Mittwoch, 6.11.2019, 18 Uhr
Mittwoch, 27.11.2019, 18 Uhr

 

 

 

 

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