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12.04.-23.06.2019
Eröffnung: Donnerstag, 11. April 2019, 19 Uhr

Ausstellung

LOVERS

Nilbar Güreş

Die Ausstellung der Künstlerin Nilbar Güreş (* 1977 Istanbul) ist die bislang umfangreichste Präsentation in Deutschland. Güreş beschäftigt sich in ihrem Werk mit einer konsequenten Infragestellung tradierter Rollen- und Geschlechterverhältnisse sowie den möglichen Formen einer Ermächtigung queerer Identität. In Anbetracht restriktiver Machtstrukturen und offensiv eingesetzter Mechanismen der Ausgrenzung widmet sich Nilbar Güreş in ihrer künstlerischen Praxis widerständischen Prozessen, die sich weniger radikal, als vielmehr unterschwellig an den Rändern des alltäglichen Lebens abspielen. Dabei liegt ihrer Kunst ein spezifischer Humor, eine spielerische Ironie und Poetik zugrunde, die einen scheinbar einfachen Zugang zu ihrem Werk ermöglichen. Doch dahinter verbirgt sich eine radikale Kritik gegenüber gesellschaftspolitischen Konventionen und Einschränkungen, die sich nicht selten durch ein individuelles Schicksal visualisieren. 

Güreş arbeitet in so unterschiedlichen Formaten wie Fotografie, Film, Performance, Collage und Zeichnung. In ihren großformatigen Fotografien fragt die Künstlerin nach der Bedeutung und Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Liebe in einer patriarchal geprägten türkischen Gesellschaft (Ayse loves Fatma, 2011) und verweist auf die tradierten Rollenbildern für Frauen (Overhead, 2010). In einer Serie von Arbeiten unter dem Titel „Unbekannte Sportarten“ inszeniert die Künstlerin neue, von ihr erfundene Sportarten, die von Frauen ausgeführt werden und die Idee der Disziplinierung ad absurdum führen. Stattdessen werden bizarre Wettkämpfe ausgeführt, in denen sich deutsche, österreichische und türkische Frauen miteinander messen, mit Haushaltgeräten hantieren oder die dem Sittenkodex entsprechenden Kleidungsstücke neu arrangieren. Mit dieser fast karnevalesken und erotischen Szenerie untergräbt Güreş auf provokant-humorvolle Weise Tabus, die vor allen Dingen in der muslimischen Gesellschaft vorherrschen. Zugleich kritisiert die Künstlerin eine Körperpolitik, die die Frauen weltweit unterdrückt und spiegelt in drastischen Bildern die Angst der westlichen Gesellschaft vor den islamisch geprägten Kulturen.In GüreşArbeiten sind oftmals Frauen zu sehen, die ihre inneren Konflikte untereinander austragen – in Prozessen des Konflikts oder der Solidarität. Es sind immer die Frauen alleine, die ihre Angelegenheiten gemeinschaftlich klären, ohne Mitsprache anderer. Güreşerklärt selbst dazu: „Ich wünsche mir mehr Veränderungen und mehr Solidarität mit und unter Frauen. Ich zeichne, wie Frauen über sich, ihre Identität, ihre Sexualität selbst bestimmen und dadurch ihre Umgebung und die damit verbundene Räume sowie ihre Wünsche und Situationen strategisch verwandeln und verändern.“ 

Die Ausstellung wird von dem Ausstellungs-, Performance-, Vortrags- und Filmprogramm unspeakable home, enchanting companions begleitet, das von der Kuratorin und Aktivistin Derya Bayraktaroğlu zusammengestellt wird und aktuelle Positionen und Debatten zum türkischen Feminismus und Aktivitäten der LGTB vorstellt.

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