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2.10.-29.11.2020
Eröffnungstage und Performances: Donnerstag, 1. Oktober, 19–22 Uhr & Samstag, 3. Oktober, 15–20 Uhr

Ausstellung

Romy Rüegger

The Moving Body, The Listening Body - Moving through wires of wind

Performances von Romy Rüegger *

Donnerstag, 1.10.2020, 18 Uhr  
Si Tu Vivais Ici... If you lived here

Samstag, 3.10.2020, 15 Uhr 
A Fabric in Turkey Red

Freitag, 13.11.2020, 19 Uhr 
Approaching Ultra Light 

Wir freuen uns, aktuelle Arbeiten der Künstlerin Romy Rüegger (*1983) in einer ersten umfassenden Einzelausstellung in Deutschland zu zeigen. Ihre Formate reichen von Performances über Audio-Installationen hin zu choreografierten Räumen – oftmals in kollaborativen Stukturen. Sie verbindet Archivarbeiten, Recherchen und zeitgeschichtliche Zusammenhänge mit dem Format der Performance, das auf Displays weiterentwickelt wird – die Ausstellung wird von der Performance her gedacht und als Körperraum oder Körperzeit gedeutet. 

Romy Rüegger verfasst experimentelle Audio-Arbeiten, inszeniert Gespräche, Notationen und Texte, die bereits mehrfach aufgeführt, gelesen, publiziert und ausgestrahlt wurden. Einige davon sind in der kürzlich von ihr veröffentlichten Publikation Language is Skin – Scripts for Performances erschienen und zeichnen sich durch antirassistische und intersektionale Politiken von Sprache und Erinnerung aus. Mit assoziativen, zwischen poetischen und dokumentarischen Zugängen wechselnden Material-Text-Konstellationen eröffnet die Künstlerin radikale Sichtweisen auf unsere Gegenwart und fordert ein kontinuierliches Re-reading von Konventionen, festgeschriebenem Wissen in Dokumenten sowie Leerstellen hegemonialer Geschichtsschreibung. 

Im Badischen Kunstverein zeigt Romy Rüegger drei zentrale Arbeiten, die sie für die Ausstellung weiterentwickelt hat und räumlich neu setzt. Ihre kritische Untersuchung von Heimarbeit und Reproduktionsarbeit, industrialisierter Fabrikarbeit, Arbeitsmigration sowie von kolonialen Produktions- und Handelsverhältnissen verbinden die Projekte miteinander. Die sound- und textbasierte Performance Approaching Ultra Light befasst sich beispielsweise mit fahrenden und nicht sesshaften Gruppen in der Schweiz, in Süddeutschland und im Elsass. Die Stigmatisierung fahrender Lebensweisen sieht die Künstlerin als Inbegriff des Versuchs eine homogene, sesshafte und weiße Gesellschaft zu etablieren. Si Tu Vivais Ici... If you lived here fragt in Performance und Installation nach den in der Architektur modellhaft angelegten Überlegungen zum Alltag von Frauen* am Beispiel der Baugenossenschaft Berufstätiger Frauen in Zürich. In der recherchebasierten Performance mit installativen Elementen
A Fabric in Turkey Red thematisiert Romy Rüegger die geschlechtsspezifischen und kolonialen Ausprägungen der industrialisierten Textilproduktion im 19. Jahrhundert. Damit verquickt sind Fragen des globalen Handels, die sie „Stille Kolonialismen“ nennt, frühe Arbeiter*innenstreiks, Arbeitsrechte von Frauen* und Kindern, aber auch der Webstuhl als erste Rechenmaschine sowie die Bedingungen und Architekturen digitaler Heimarbeit in ehemaligen Textilfabriken. Die Installationen im Raum werden durch die gleichnamigen Performances aktiviert; diese sind das zentrale Moment der Arbeiten und zugleich auch Formen des Lesens, des Gegenlesens und der Recherche. Die temporären räumlichen Setzungen sind in diesem Sinne nicht abgeschlossen, sondern formulieren sich als „Arbeit im Jetzt“ immer wieder neu und fortlaufend aus.  

Die Ausstellung enthält auch eine WISHFUL LIBRARY, die von Romy Rüegger konzipiert wurde. Sie bezieht sich auf die Bibliothek in den Büroräumen des Kunstvereins. Romy Rüegger hat Freund*innen und Kolleg*innen gefragt, Wünsche nach spezifischen Büchern an diese Bibliothek zu richten oder etwas anderes beizutragen. Entstanden ist eine gegenwärtige Zusammenkunft von Wünschen im so genannten Waldstraßensaal des Vereins. Mit Audiobeiträgen von Jasmina Al-Qaisi, tracy september und Hyperlink Haze sowie einer Sprachnachricht von Anne Käthi Wehrli. Mit Wünschen an die Bibliothek von Barby Asante, Aline Benecke, Chantal Küng, Anna Frei, Elio J Carranza, Emma Wolf Haugh, Katherine MacBride, Katrin Mayer, Kerstin Schroedinger, Maria Iorio, Milena Sentobe und Ev Thomet, Miwa Negoro, Mohamed Abdelkarim, Paolo Caffoni, Pascal Schwaighofer, Samia Henni, Sofia Bempeza, Anne Käthi Wehrli, Yvonne Wilhelm, Maria-Cecilia Quadri und Vanessa Rüegger. 

Romy Rüegger (*1983), lebt in Zürich und Berlin. Ihre Performances, Texte und Audio-Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen und auf Festivals gezeigt und in Publikationen veröffentlicht: u.a. inter:archive (Zürich, 2020); ar/ge Kunst (Bolzano, 2019); Kurzfilmtage Oberhausen (Oberhausen, 2019); Chinretsukan Gallery (Tokyo, 2019); Broadcasting from Babylon (Amsterdam, 2018); Standards (Mailand, 2018); Kunsthalle Basel (Basel, 2018); PERFORMATIK Festival (Brüssel, 2017); Transmission Gallery (Glasgow, 2017); Soundings (Köln, 2017). 2018 hatte sie ein Stipendium bei Gasworks in London. Rüeggers Publikation Language is Skin - Scripts for Performances ist bei Archive Books erschienen (Berlin, 2018).

 

Führungen
Mittwoch, 14.10.2020, 18 Uhr
Mittwoch, 25.11.2020, 18 Uhr 

Kuratorinnen-Führung
Freitag, 13.11.2020, 18 Uhr 

 

* Aufgrund der aktuellen Corona Verordnung ist die Teilnahme an den Performances begrenzt. Wir bitten um Voranmeldung unter: info@badischer-kunstverein.de  

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