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präsentiert im Foyer des Badischen Kunstvereins bis 30.12.2018

200 Jahre // ALLIANZEN 02

Rebecca Stephany
200 SISTERS SOUVENIRS

200 Jahre Ausstellungskataloge, Randnotizen und launische Bilder, a feminist exhibition (mis)reading

200 SISTERS SOUVENIRS ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem über 300 Publikationen umfassenden Katalogarchiv des Badischen Kunstvereins aus feministischer Perspektive. Rebecca Stephany hat daraus eine Publikation mit begleitender Produktlinie entwickelt, von Schlüsselbändern bis zu modifizierten Kleidungsstücken, die, zum Teil in limitierter Auflage, im Foyer des Badischen Kunstvereins präsentiert und erworben werden können.

200 SISTERS SOUVENIRS feiert die vielen unbekannten, in Gemälden und Skulpturen dargestellten Frauen sowie die wenigen Künstlerinnen [wie Sophie Reinhard, deren Werke als Hofmalerin des Großherzogs von Baden 1818 Teil der ersten Ausstellung waren], die beiden Direktorinnen und die zahlreichen, ausnahmslos weiblichen Sekretärinnen in der 200-jährigen Geschichte des Badischen Kunstvereins. 200 SISTERS SOUVENIRS würdigt die Näherinnen, die im Lichthof arbeiteten [damals noch ein Industriehof mit Schneiderei], bevor dieser 1964 Teil des Kunstvereins wurde, und alle Besucherinnen, weiblichen Mitglieder und Unterstützerinnen des Kunstvereins, unter ihnen auch die Großherzogin Luise von Baden, Schirmherrin der Karlsruher Malerinnenschule Ende des 19. Jahrhunderts. Die Feier wird getragen von der Idee eines intersektionalen Feminismus, der kulturelle Muster der Unterdrückung als systemisch und miteinander verknüpft versteht und Aspekte wie Herkunft, Geschlecht, Sozialisierung, Befähigung und Ethnizität berücksichtigt.

200 SISTERS SOUVENIRS bemächtigt sich der Ausstellungskataloge im Archiv des Badischen Kunstvereins, um diese [anders] zu lesen, darunter z.B. zahlreiche Porträts aus den 1920er bis 1940er Jahren, in denen das Geschlecht der porträtierten Person sich nicht eindeutig zuordnen lässt. Das Projekt beachtet dabei besonders jene Aktionen, Erscheinungen und Personen, die wissentlich oder unwissentlich das Patriarchat im Badischen Kunstvereins geistig, emotional oder physisch ins Wanken brachten.

200 SISTERS SOUVENIRS übersetzt die Archivrecherche in brauch- und tragbare Objekte wie Baumwolltaschen, Lesezeichen oder Schlüsselbänder: industriell gewebtes Band mit Textfragmenten aus dem Katalogarchiv [Weben als Analogie für eine Vereinigung der Kräfte], Schrumpffolienanhänger mit Bildfragmenten aus dem Katalogarchiv und grafische Elemente aus dem Magazin LAVA [einem Karlsruher Frauenmagazin, das zwischen 1989 und 1994 mit 13 Ausgaben erschienen ist] sowie eine Kollektion aus modifizierten, gebrauchten Jutebeuteln und Herrenhemden mit gebleichten Logos [Bleichen als Analogie der Offenlegung]. Mitglieder des Badischen Kunstvereins wurden eingeladen, ein Kleidungsstück für 200 SISTERS MERCHANDISE im Tausch gegen ein modifiziertes Kleidungsstück zu spenden.

200 SISTERS SOUVENIRS verteilt die so entstandenen Arbeiten schließlich wieder in der Stadt Karlsruhe und darüber hinaus. Als Objekte der Begierde und des täglichen Lebens machen sich diese Souvenirs Gesten eines Kommerzes zu eigen, der Female Empowerment aktuell für sich beansprucht, und sorgen zugleich für die Emanzipation einer feministischen Ausstellungslesart von moralischen Ansprüchen und politischer Korrektheit. 

Mi., 20. Juni, 19 Uhr
SuperSale Talk
Projektvorstellung von Rebecca Stephany mit performativer Verkaufsshow der 200 Sisters Souvenirs.
Jedes Los gewinnt!

Auftakt einer Serie von Veranstaltungen zur feministischen Re-Lektüre des Ausstellungsprogramms des Badischen Kunstvereins.

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