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19.07.-16.09.2018
Mittwoch, 18. Juli 2018, 19 Uhr

200 Jahre // Jubiläumsausstellung

49° – Kulturelle Produktion in Karlsruhe

Die Ausstellung 49° – Kulturelle Produktion in Karlsruhe im Jubiläumsjahr widmet der Badische Kunstverein der Stadt Karlsruhe und ihrer reichen künstlerischen und kulturellen Schaffensszene. Bezug nehmend auf kulturelle Orte und Produktionsstätten in der Stadt, aktive und wieder geschlossene Nischen, fragen wir nach den gegenwärtigen und zukünftigen Bedingungen künstlerischer und kultureller Arbeit in Karlsruhe. Über die Dauer des Projektes präsentieren sich die eingeladenen lokalen Akteur*innen im Kunstverein oder werden an ihren eigenen Wirkungsstätten besucht. Ziel des Projektes ist, die kulturelle Vielfalt der Stadt deutlich zu machen und den generationen- und gruppenübergreifenden Austausch der einzelnen Akteur*innen zu stärken. Dafür wird ein spezielles Ausstellungsdesign für den Kunstverein entwickelt, das diese Schnittstelle zwischen Information, Kommunikation und Aktionsraum verkörpert. Dieses Design verortet sich zwischen Plattform, Archiv/Recherche und kultureller Stadtkarte.

Einerseits ist lange anerkannt, dass eine vielfältige kulturelle Szene Städte für ihre Bewohnenden attraktiver machen, andererseits müssen sich Künstler*innen aktiv gegen Vereinnahmungen als „Kreativwirtschaft“ wehren, die mit dem Wunsch nach unmittelbarer Verwertbarkeit eigentliche künstlerische Freiheit eher hindert und ehemalige Freiräume in teure Quartiere verwandelt. Wir wollen diesen Zwiespalt thematisieren und nicht der Verwertungslogik Vorschub leisten. Gleichzeitig möchte die Ausstellung die Verbindung von Kunst und Gewerbe stärker in den Blick nehmen, die bereits in den Anfängen der Kunstvereinsgeschichte eine wichtige Rolle spielte. Ursprünglich als Verein für Kunst und Industrie geplant, zeigte der Kunstverein von 1821 bis 1829 ausschließlich Kunst und Industrieausstellungen und einer der historischen Ausstellungsräume (heute Waldstraßensaal) war noch über jene Jahre hinaus als Kunstgewerbesaal deklariert.

Die zentrale historische Figur und konzeptuelle Referenz des Projektes ist die Modeschöpferin Emmy Schoch, die mit ihren Kreationen Anfang des 20. Jahrhunderts die Frauenmode revolutionierte. In ihrer Person verbindet sich Stadt und Kunstvereinsgeschichte miteinander, zugleich verdeutlicht sich in ihrer Zielstrebigkeit, die bis dato ungewohnte und sich allen Restriktionen entledigende Reformmode international zu vermarkten, ein avantgardistisch-revolutionäres Potential, mit dem sich das gesamte Jubiläumsprogramm und im Speziellen diese Schau identifizieren möchte. Emmy Schoch betrieb ihr Mode- und Verkaufsatelier ab 1938 in der Waldstraße 3, wo sie auch wohnte.

Die Ausstellung im Kunstverein versteht sich als eine Informations- und Kommunikationsplattform von der sich verschiedene Fäden in die unterschiedlichen Studios, Ateliers, Werkstätten und Gewerbe der Stadt spannen. Das Projekt zielt bewusst in zwei Richtungen, mit Aktivitäten in- und außerhalb unseres Gebäudes. Viele der Veranstaltungen widmen sich Orten im städtischen Raum, besuchen diese auf Spaziergängen und recherchieren weiter. Die Rechercheergebnisse werden in einer Installation präsentiert, die während der Ausstellungsdauer von den Besuchenden durch eigene Materialien erweitert werden kann. Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass eine Registratur unserer Mitglieder anzulegen, viele davon Künstler*innen oder Kulturschaffende, die eingeladen sind, ihre Portfolios einzureichen.

Gleichzeitig wollen wir die Türen des Kunstvereins für persönliche Begegnungen öffnen. Ask Me Anything wird diesen Sommer zur Leitlinie unserer Mittwochs im Kunstverein-Reihe. Wir laden ein zu wöchentlichen Treffen und zum Austausch zwischen Neugierigen, Expert*innen und kulturell Aktiven. Das Format bietet Raum für Spontanität und freundschaftliches Kennenlernen, sowie auch für Gespräche und Workshops über konkrete Fragestellungen wie den Möglichkeiten städtischer Atelierräume, Künstler*innenförderung und -residenzen oder der Situation von Kunst im öffentlichen Raum. Es sollen Brücken geschlagen werden zwischen den verschiedenen Fachbereichen um von der vorhandenen Diversität zu profitieren.

Auch für dieses Projekt hat der Kunstverein eine lokale Partnerschaft geschlossen, um weitere „Fenster“ in die Stadt zu öffnen. Die Badischen Neuesten Nachrichten werden während der Ausstellungsdauer täglich eine*n Karlsruher Künstler*in im Porträt vorstellen. Die porträtierten Künstler*innen laden jeweils am selben Tag zu einem Besuch in ihr Atelier ein. 49° – Kulturelle Produktion in Karlsruhe beschreitet damit ein Feld zwischen Kennenlernen und Betrachtung, Neuentdeckung und Austausch, Geschichte, Gegenwart und Zukunft und weckt die Neugier auf kulturelle Akteur*innen und Orte in Karlsruhe.

Kuratorinnen
Lisa Bergmann, Christina Scheib, Didem Yazici

Ausstellungsdesign
Thomas Rustemeyer

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