zurück

Dienstag, 27. Juni, 17-23 Uhr

Filmscreening & Diskussion

"Grimasse im Familienbild" Flimscreening / Bar / Diskussion / Musik

 

Filmscreening
Otto Preminger Tell Me That You Love Me, Junie Moon (1969), 112 Min.
und Peter Ott Atelier (2012), 42 Min.

Gespräch mit Michael Dreyer, Anja Casser & Peter Ott

Eine 'Kommune' von drei Outcasts in Otto Premingers Film und die 'Familie' sowie diverse Ateliergeister in Peter Otts Film sind verwandte Rahmungen, in denen die jeweilgen Spannungsverhältnisse zwischen individuell erlit- tenen Verletzungen und der daraus resultierenden Selbsthilfe und -rettung, mithin zwischen ‘Gemeinschaft und Gesellschaft’ inszeniert werden.

In Premingers Film sind die Mitglieder des Kollektivs, darunter Liza Minelli als ‘Junie Moon’, hinsichtlich ihrer körperlichen und psychosozialen Integrität stark gefordert. Die Gesichtsentstellung der weiblichen Hauptperson Junie, die Körperbehinderung des schwulen Warrens und die unberechenbare Epilepsie von Arthur führen die drei Helden nach ihrer Klinikentlassung zu einer optimistischen Notgemeinschaft zusammen. Ihr gemeinsames Leben in L.A. führt den Betrachter_innen Situationen der Selbstermächtigung, Hilfe, Diskriminierung und Gruppendynamik vor. Otto Preminger und die Co-Autorin Marjorie Kellogg, eine frühe Behindertenrechtlerin, polarisierten mit diesem Anti-Hollywood-Film die Kritik.

Ähnlich burlesk in seinen Ausdrucksmitteln, im Filmischen zu einem Kaleidoskop verzauberten Atelier (2012), ringt der Einzelgänger ‘Christian’ (gespielt von Michael Dreyer) um Erklärungen für seine vage Künstlerexistenz im Schatten des Vaters und des Großvaters, beide ebenfalls Künstler. Er wird durch einem befreundeten Journalisten (gespielt von Peter Ott) angeblich „für arte“ in seinem Atelier interviewt und gefilmt. Dabei verstrickt er sich abwechselnd in telefonische Scharmützel mit seinem Vater, amateurpsychologische Familienanalysen und in Ausführungen seiner künstlerischen Arbeit.

In Dreyers Mimik zeichnen sich die Kämpfe zwischen familiär-gesellschaftlicher Anpassung und künstlerisch-autonomer Hingebung in seiner Arbeit ab. Mit kammermusikalischen Gitarrensequenzen werden dazu notorische Klangmuster des Künstlerportraits aufgerufen, dabei werden gewisse Schmerzgrenzen tangiert, etwa wenn gegen Ende des Films die Tränen einer, im Atelier auftauchenden, Fee kullern, während diese fortwährend eine Passage aus R. D. Laings Knots rezitiert: „They are playing a game...“.

Die Filme von Preminger und Ott verbinden auf visueller Ebene Mimik und Läsion, Gesicht und Gefühl, das Narrativ Familie und Kommune. Ein weiterer Film Otts widmet sich ebendiesem visuellen Spektrum: Gesicht und Antwort (2010), 72 Min., eine Studie über die schwerbehinderte Schwester des Regisseurs.

Michael Dreyer, *1953 in Coburg, lebt und arbeitet in Stuttgart.
Dreyer ist Professor an der Merz Akademie, Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien in Stuttgart.

Peter Ott, *1966 in Burg auf Fehmarn, lebt und arbeitet in Stuttgart und Hamburg.
Ott ist Filmemacher, Performer und Professor an der Merz Akademie, Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien in Stuttgart.

 

Otto Premingers Tell me that you love me, Junie Moon (1969) wird im Originalton mit englischen Untertiteln gezeigt.

Gespräch auf Deutsch

Eintritt frei!

zurück