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03.02.-01.05.2017
Eröffnung: Donnerstag, 2. Februar, 19 Uhr

Lichthof

Zofia Kulik

Instead of Sculpture (1968-71)


Zofia Kulik, Instead of Sculpture: White-Red Background (detail 4-086), 1968-71 © the artist, courtesy ŻAK | BRANICKA

Der Badische Kunstverein freut sich, die polnische Künstlerin Zofia Kulik in einer Einzelausstellung zu präsentieren. Die Ausstellung konzentriert sich auf die frühe, bislang eher unbekannte Arbeit Instead of Sculpture, die zwischen 1968 und 1971 als Kuliks Abschlussarbeit an der Akademie der bildenden Künste in Warschau entstand, und nun erstmals in diesem Umfang in Deutschland gezeigt wird. Die Arbeit besteht aus rund 500 Fotografien, die Kulik als Dias auf drei Leinwände simultan projizierte, und einem Thesenpapier, in dem die Künstlerin ihre Überlegungen zu einem erweiterten Begriff von Skulptur darlegt.

Noch bevor die Kunsttheoretikerin Rosalind E. Krauss ihren einflussreichen Aufsatz „Skulptur im erweiterten Feld“ („Sculpture in the expanded field“, 1979) veröffentlichte, erkannte Zofia Kulik die Limitierung, die eine Betrachtung von Skulptur als statisches Objekt mit sich bringt. Stattdessen plädierte sie für einen dynamischen, performativen und zeitbasierten Umgang mit Skulptur – ähnlich den Möglichkeiten des filmischen und fotografischen Mediums – und setzte diesen prozessorientierten Ansatz in ihre künstlerische Arbeit um. „Film ist Skulptur und Skulptur ist Film“ ist ein zentrales Zitat der Künstlerin, die damit die enge Analogie der beiden Medien betont. Gleiches gilt für die Fotografie. Kulik selbst war ständig mit ihrer Fotokamera unterwegs, um Objekte, Modelle oder Situationen zu dokumentieren oder für die Kamera mit Hilfe von Farben, Textilien oder anderen Materialien zu inszenieren. So entstand ein umfangreiches Bildarchiv oder fotografisches Notizbuch, das die Möglichkeiten skulpturaler Form weit über die Grenzen des Mediums hinaus ausreizt und sich gängigen Standardisierungen radikal widersetzt.

Instead of Sculpture (1968-71) gibt einen Einblick in diese umfangreiche Bildproduktion Zofia Kuliks und macht den visionären Ansatz der Künstlerin deutlich. In der Ausstellung im Badischen Kunstverein werden die Fotografien der Diaschau als filmische Projektion re-inszeniert, wobei der Aufbau mit jeweils drei Bildern nebeneinander erhalten bleibt.Ergänzt wird die Projektion um eine Serie von Fotoabzügen, die einige Sequenzen aus dem Film herauslöst und an der Wand zugänglich macht. Der Aufbau der Arbeit folgt einem präzisen Skript der Künstlerin. Zu sehen sind verschiedene Farben, Formen und Oberflächen, die Kulik aus einfachsten Materialien wie Papier und Textilien zusammensetzt, beklebt, bemalt oder ausschneidet, sowie gefundene Orte und Architekturen, die von der Künstlerin bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet, oder als dokumentarische Aufnahmen so belassen werden. Verschiedene Aktposen werden mit klassischen Abgüssen kombiniert und in Gips und Leim getauchte Stofffetzen oder Bandagen spielen auf verschiedene Körperformen an. Kulik assoziiert mit diesen Bildern ein Eigenleben der Dinge, Orte und Personen, die sich vor den Augen der Betrachter_innen stetig transformieren. Ihr Interesse gilt dabei den spezifischen Logiken für die Entwicklung visueller Form und der Bedeutung der Wahrnehmung in diesem Kontext. Instead of Sculpture (1968-71) nutzt die Möglichkeiten des filmischen und fotografischen Blicks, um dem formgebenden Prozess aus möglichst vielfältigen und uneingeschränkten Perspektiven nahe zu kommen.

Zwischen 1971 bis 1987 arbeitete Zofia Kulik mit ihrem damaligen Partner Przemysław Kwiek als Künstlerduo unter dem Namen KwieKulik. Für 2018 plant der Kunstverein eine umfassende Retrospektive dieser wichtigen Gruppe der polnischen Neo-Avantgarde, in deren Kontext viele der Arbeiten erstmals wieder präsentiert werden.

Kuratiert von Anja Casser

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit Glasgow Sculpture Studios.

 

Zofia Kulik (*1947 in Breslau) lebt und arbeitet in Warschau (Łomianki).Sie studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau und gründete 1971 zusammen mit Przemysław Kwiek das Künstlerduo KwieKulik, das in dieser Konstellation bis 1987 bestand. Seit 1987 arbeitet Zofia Kulik unter ihrem eigenen Namen als Solokünstlerin. Ihre Werke wurden in internationalen Ausstellungen präsentiert, unter anderem im Polnischen Pavilion, Biennale di Venezia (1997); Nationalgalerie, Prag (1998); Documenta 12, Kassel (2007); Glasgow Sculpture Studios, Glasgow (2016). Ihre Arbeiten befinden sich in internationalen Sammlungen wie Tate Modern, London; Moderna Museet, Stockholm; Nationalmuseum, Breslau, sowie in vielen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen.    

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